Lebensräume schaffen statt nur darüber reden – Biochemie-Kurs engagiert sich für Artenvielfalt

Steine schleppen, Pfähle einschlagen, Holz stapeln – und das alles freiwillig?

Was nach einem ungewöhnlichen Unterrichtstag klingt, ist Teil eines festen Projekts am Krupp-Gymnasium: Der Biochemie-Kurs der Jahrgangsstufe 10 nimmt auch in diesem Jahr am Bundesumweltwettbewerb teil – und verwandelt dabei ein Stück unseres Schulgeländes in ein Mosaik aus neuen Lebensräumen.

Wie in jedem Jahr entwickeln die Schüler:innen ihr Projekt eigenständig: von der ersten Idee über die Planung bis hin zur praktischen Umsetzung. In diesem Durchgang stand schnell fest: Wir wollen nicht nur über Ökologie sprechen – wir wollen konkret etwas für die Artenvielfalt vor unserer eigenen Tür tun.

Vom Beobachten zum Handeln

Bevor der erste Stein gesetzt wurde, stand die wissenschaftliche Arbeit: Zunächst kartierte der Kurs die auf dem Schulgelände und im angrenzenden Volkspark vorkommenden Insekten- und Vogelarten. Welche Spezies leben hier? Welche sind vielleicht selten geworden? Und vor allem: Welche Lebensräume fehlen?

Auf dieser Grundlage entwickelten die Schüler:innen gezielt Maßnahmen:

  • eine Benjeshecke aus Totholz als geschützter Rückzugsort für Kleintiere,
  • eine Trockensteinmauer, die wärmeliebenden Insekten und anderen Arten Unterschlupf bietet,
  • ein Insektenhotel mit passgenauen Niststrukturen,
  • sowie Nistkästen für heimische Vogelarten, die nun nach und nach an geeigneten Bäumen angebracht werden.

Dabei wird konsequent nachhaltig gearbeitet: Verwendet werden fast ausschließlich Altmaterialien – alte Steine vom Schulhof, ausrangiertes Holz, Totholz aus dem benachbarten Park. Upcycling wird hier nicht theoretisch diskutiert, sondern ganz praktisch umgesetzt.

Lernen mit Muskelkraft, Köpfchen – und europäischer Perspektive

Dass Umweltbildung nicht immer im Klassenraum stattfindet, zeigte sich in den vergangenen Tagen eindrucksvoll. Nachdem ein geplanter Bautermin wegen Schnee und Dauerregen verschoben werden musste, meint es das Wetter nun gut mit uns: Bei 17 Grad und strahlendem Sonnenschein wird geschleppt, geschichtet, gehämmert und gebaut.

Wo sonst Pausengespräche stattfinden, entstehen nun Stein auf Stein kleine ökologische Nischen. Pfähle werden eingeschlagen, um die Benjeshecke zu stabilisieren, schwere Steine sorgfältig zur Trockenmauer geschichtet. Theorie und Praxis greifen ineinander – und machen erfahrbar, wie viel Planung, Abstimmung und körperlicher Einsatz hinter scheinbar „einfachen“ Naturschutzmaßnahmen steckt.

Als Europaschule versteht das Krupp-Gymnasium Nachhaltigkeit nicht nur als lokales, sondern als gesamteuropäisches Anliegen. Der Schutz von Biodiversität, der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und die Entwicklung nachhaltiger Lebensräume sind zentrale Zukunftsaufgaben unseres Kontinents. Indem die Schüler:innen vor Ort handeln, leisten sie einen konkreten Beitrag zu diesen größeren Zusammenhängen – ganz im Sinne unseres Leitgedankens: lokal verwurzelt und europäisch orientiert.

Wettbewerb mit Wirkung

Das Projekt wird derzeit umfassend dokumentiert und am Ende des Monats offiziell beim Bundesumweltwettbewerb eingereicht. Die Schüler:innen bereiten dafür ihre wissenschaftlichen Grundlagen, Planungsprozesse und praktischen Ergebnisse strukturiert auf – von der Kartierung über die ökologische Begründung bis hin zur Umsetzung.

Unabhängig vom Wettbewerbsergebnis bleibt jedoch vor allem eines: dauerhaft geschaffene Lebensräume auf unserem Schulgelände. Die neuen Kleinstbiotope fördern die Artenvielfalt, machen ökologische Zusammenhänge sichtbar und werden auch für kommende Jahrgänge ein Lern- und Erfahrungsort sein.

So wird aus einem Wettbewerb ein nachhaltiger Beitrag zum Umweltschutz – direkt hier in Rheinhausen und zugleich eingebettet in eine Verantwortung, die weit über unsere Schule hinausreicht.

Steven Tyrrell