Theaterbesuch der 9a

Zwischen Rollenerwartungen und Leistungsdruck

Was bedeutet es, stark zu sein? Welche Erwartungen stellen andere an uns – und welche stellen wir an uns selbst? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Klasse 9a der Europaschule Krupp-Gymnasium am Dienstag, dem 13. Oktober, bei einem Besuch des Theater Duisburg. Im Rahmen des Deutschunterrichts sahen die Schüler das Stück „Stabil, Habibi!“ von Katharina Böhrke. Am Morgen versammelte sich die Klasse im Foyer unserer Schule, bevor es gemeinsam mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Duisburger Innenstadt ging. Die Anreise verlief trotz des Berufsverkehrs überraschend reibungslos, sodass die 9a sogar etwas früher als geplant am Theater eintraf. Wo ein Boxring, drei Figuren und eine Reihe von Fragen, die Jugendliche unmittelbar betreffen, warteten: In „Stabil, Habibi!“ begegnen wir Lupo, Mare und Angry. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Freundschaft, Familie, Ungerechtigkeit, Wut und Leistungsdruck. Dabei geht es auch darum, wie Menschen mit den Erwartungen ihres Umfelds umgehen und was sich hinter einer selbstbewussten Fassade verbergen kann. Das Stück hat einen besonderen Entstehungshintergrund: Die Theaterpädagogin Katharina Böhrke entwickelte es gemeinsam mit sechs Patenklassen der Jahrgangsstufen 7 bis 9. Mehr als 150 Jugendliche brachten ihre Erfahrungen, Gedanken und Ideen in die Arbeit ein. Zu den beteiligten Patenklassen gehörte auch eine damalige 7e des Krupp-Gymnasiums. Besonders ergiebig war für unsere Klasse das anschließende Gespräch mit dem Ensemble.

Rund eine halbe Stunde lang konnten die Schüler Fragen stellen, ihre Eindrücke schildern und sich über die angesprochenen Themen austauschen. Dabei zeigte sich, dass insbesondere Rollenkonformität und Leistungsdruck viele Anknüpfungspunkte an die eigene Lebenswelt boten. Welche Rollen nehmen wir ein, weil andere sie von uns erwarten? Wie gehen wir damit um, wenn wir bestimmten Vorstellungen nicht entsprechen wollen oder können? Und was bedeutet es eigentlich, stark zu sein? Die spontane Rückmeldung der Klasse fiel zugunsten des ebenfalls am Theater Duisburg gezeigten Stücks „Digga, was das??“ aus. Dennoch bot „Stabil, Habibi!“ gerade im Nachgespräch zahlreiche Anlässe, um über gesellschaftliche Erwartungen und persönliche Erfahrungen ins Gespräch zu kommen. Damit wurde deutlich, dass ein Theaterbesuch nicht allein davon lebt, ob eine Inszenierung unmittelbar begeistert. Auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Gesehenen kann einen wertvollen Beitrag zum Lernen leisten. Nach der Vorstellung und dem Austausch mit dem Ensemble ließ die Klasse den Vormittag bei einem gemeinsamen Eis in der Innenstadt ausklingen und diskutierte noch einzelne Szenen, bevor es zurückging. Wir bedanken uns beim Team des Theater Duisburg für die Vorstellung und den offenen Austausch mit unseren Schüler!

Steven Tyrrell