Zwischen Anatomie, Philosophie und Abenteuer – Exkursion der Biologiekurse nach Münster

Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen machten sich Schülerinnen und Schüler des Biochemiekurses der Jahrgangsstufe 10, der Life-Science-Gruppe sowie des Biologie-Leistungskurses der Jahrgangsstufe 12 gemeinsam mit ihren Lehrkräften auf den Weg nach Münster. Ziel der Exkursion war die Ausstellung „Körperwelten“, die einen einzigartigen Einblick in den Aufbau und die Funktionsweise des menschlichen Körpers ermöglicht.

Bereits die Anreise verlief erfreulich unkompliziert. Pünktlich erreichte die Gruppe Münster und machte sich auf den Weg zum Messegelände. Dort erwartete die Schülerinnen und Schüler eine Ausstellung, die viele von ihnen gleichermaßen faszinierte wie nachdenklich stimmte.

Im Mittelpunkt standen dabei die zahlreichen plastinierten Präparate, an denen sich die Komplexität des menschlichen Körpers eindrucksvoll nachvollziehen ließ. Viele Schülerinnen und Schüler erkannten Strukturen wieder, die sie zuvor im Unterricht kennengelernt hatten. Besonders die Verläufe von Nervenbahnen, die Anordnung der Muskulatur sowie die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Organsysteme sorgten für Staunen. Die Ausstellung bot damit eine wertvolle Ergänzung zu den Unterrichtsinhalten der aktuellen Reihe zur Sport- und Ernährungsphysiologie, in der sich die Lernenden unter anderem mit Herz-Kreislauf-System, Atmung, Stoffwechsel und Energiegewinnung beschäftigen.

Während des Rundgangs entwickelten sich zahlreiche Gespräche über die Funktionen einzelner Organe und die Auswirkungen von Krankheiten auf den menschlichen Körper. Besonders die Gegenüberstellung gesunder und geschädigter Organe – etwa von Raucherlungen oder durch Krebs veränderten Geweben – machte deutlich, wie eng Gesundheit, Lebensweise und biologische Prozesse miteinander verknüpft sind.

Großes Interesse weckten auch die Exponate zur menschlichen Entwicklung vor der Geburt. Die Darstellung früher Entwicklungsstadien führte zu vielen Fragen und Gesprächen über die Entstehung menschlichen Lebens. Dabei wurde deutlich, wie sehr die Ausstellung nicht nur biologisches Wissen vermittelt, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Im Anschluss an den Besuch stand deshalb eine gemeinsame Nachbesprechung auf dem Programm, die von der Philosophielehrerin Angelika Kribus begleitet wurde. In einer engagierten und differenzierten Diskussion setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit ethischen Fragestellungen auseinander. Dabei ging es unter anderem um Menschenwürde, Selbstbestimmung über den eigenen Körper, Körperspenden und Organspenden. Ebenso wurde die Frage diskutiert, weshalb es gesellschaftlich als sinnvoll und rechtlich zulässig gilt, den eigenen Körper nach dem Tod der Wissenschaft oder der Medizin zur Verfügung zu stellen, während der Verkauf von Organen aus guten Gründen verboten ist. Die Vielfalt und Ernsthaftigkeit der Beiträge zeigte eindrucksvoll, wie intensiv sich die Schülerinnen und Schüler mit den Eindrücken des Tages auseinandergesetzt hatten.

Nach dem offiziellen Programm nutzten viele die Gelegenheit, Münster auf eigene Faust zu erkunden. Einige zog es in die historische Altstadt mit ihren charakteristischen Giebelhäusern und den lebendigen Straßen rund um den Prinzipalmarkt, andere erkundeten die Umgebung des Hafens oder genossen einfach die sommerliche Atmosphäre der Stadt.

Die Heimreise entwickelte sich schließlich zu einem kleinen Abenteuer. Bei Temperaturen von über 30 Grad sorgten Signal- und Weichenstörungen, Zugausfälle, Polizeieinsätze und weitere Verzögerungen dafür, dass mehrfach umgeplant, umgestiegen und improvisiert werden musste. Was eigentlich eine kurze Rückfahrt werden sollte, zog sich über mehrere Stunden hin. Trotz aller Widrigkeiten bewiesen die Schülerinnen und Schüler Geduld, Flexibilität und gute Laune.

Am Ende kehrte die Gruppe zwar etwas verspätet und deutlich verschwitzt, aber um viele Eindrücke reicher nach Duisburg zurück. Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, wie gewinnbringend außerschulische Lernorte sein können: Sie verbinden naturwissenschaftliches Lernen mit persönlichen Erfahrungen, regen zu gesellschaftlichen und ethischen Fragestellungen an und eröffnen neue Perspektiven auf den menschlichen Körper – und damit letztlich auch auf uns selbst.

Steven Tyrrell